Honig: Hobby oder Beruf?

Die vielfältigen Wege zur Imkerei

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(aid) – Das Interesse an der Bienenhaltung nimmt seit einigen Jahre wieder zu und die Zahl der Imker steigt. Aber wie wird man eigentlich Imker? Dr. Ingrid Illies von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau erklärt in der Zeitschrift Schule und Beratung welche Wege zur Imkerei führen.

Bei Kindern kann sich erstes Interesse am Imkern in der Familie oder in der Schule entwickeln. In der Schule ermöglichen die Schulimkerei in Bienen-AGs und der Biologie-Unterricht eine intensive Beschäftigung mit der Bienenhaltung. Der Wunsch, mit der Familie die Natur zu erleben, die Lust auf selbst hergestellten Honig oder die Überlegung die Bestäubung im eigenen Garten zu sichern, können aus einem anfänglich Interessierten einen Freizeitimker machen. Wenn irgendwann so viel Honig erzeugt wird, dass Familie und Freunde diesen nicht mehr abnehmen können, liegt die Überlegung nahe, die Imkerei nebenerwerbsmäßig zu betreiben. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Imkereibetriebe im Haupterwerb. Hierfür sind aber eine gründliche Planung und betriebswirtschaftliches Geschick gefragt.

Dann führt der Weg zur Imkerei über eine klassische Ausbildung: Jedes Jahr beginnen circa 20 junge Leute in Deutschland eine Ausbildung zum Tierwirt oder zur Tierwirtin in der Fachrichtung Imkerei. Um theoretisches und praktisches Fachwissen zu vermitteln, bieten Bieneninstitute, Fachberater, Verbände und erfahrene Imker regelmäßig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. In einigen Bundesländern gibt es nach Abschluss eines entsprechenden Kurses ein Zertifikat „Geprüfter Freizeitimker“. Kunden können so erkennen, dass der Honig von einem erfahrenen Imker stammt.
Annalena Schraut, www.aid.de

Weitere Informationen:
www.aid.de

Wie wird man Imker?

Der überwiegende Teil der Imker betreibt die Imkerei als Hobby oder im Nebenerwerb. Es gibt allerdings auch einige Imker, die die Bienenhaltung im Hauptberuf ausüben. Grundlage ist eine Ausbildung zum Tierwirt, Schwerpunkt Bienenhaltung. Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst im Wesentlichen die folgenden Grundlagen:

Völkerführung und Bienengesundheit: Anatomie und Physiologie der Biene, Aufbau von Jungvölkern, Behandlung von Bienenvölkern Krankheiten – wie Faulbrut oder Varroamilbe – behandeln, Hygiene und Krankheitsvorbeugung, Bienenwanderung, Schwarmverhalten,
Zucht: Pflege des Drohnenbestandes, Königinnenzucht und -aufzucht, Zuchtbuchführung, Kenntnisse verschiedener Rassen und Zuchtlinien,
Betriebsmittel: Pflege und Herstellung, Werkstatt- und Reinigungsarbeiten, Bau verschiedener Beuten,
Bienenweide: Naturschutz und Bestäubung,
Bienenprodukte: Gewinnung, Veredlung und Vermarktung.

Voraussetzung für den Imkerberuf ist ein Haupt- oder Realschulabschluss. Neben dem Interesse an den Bienen und an der Arbeit im Freien, die oft körperlich anstrengend ist, muss man über die nötige Gelassenheit im Umgang verfügen. In der Hauptsaison von Mai bis Juli ist kein Urlaub und kaum Freizeit möglich. Man darf natürlich nicht an einer Bienengiftallergie leiden. Nach zweijähriger beruflicher Tätigkeit als Imker kann man sich für die Meisterausbildung anmelden. Vorher absolviert man einen dreiwöchigen Lehrgang, bei dem zum Beispiel auch Ausbildung und Mitarbeiterführung gelehrt werden.

Gute imkerliche Praxis

Nicht nur Berufs-, sondern auch Hobbyimker sollten sich in Imkerschulungen und -fortbildungen Grundkenntnisse über die gute imkerliche Praxis aneignen. Hier lernt man die Bedürfnisse eines Bienenvolkes kennen, Mangelerscheinungen und Bienenkrankheiten zu erkennen, sie richtig einzuschätzen und eventuell zu behandeln. Weiterhin finden Imker hier Kontakte zu Gleichgesinnten und können sich austauschen. Laut dem Institut für Bienenkunde in Celle werden im Grundkurs zur guten imkerlichen Praxis die folgenden Inhalte vermittelt:

richtiges Verhalten am Bienenvolk,
Grundkenntnisse zur Biologie der Honigbiene,
Erkennen geeigneter Standorte für die Aufstellung von Bienenvölkern,
richtige Bewertung der Trachtsituation und des Ernährungszustandes der Völker,
Führung der Bienenvölker durch das ganze Bienenjahr,
Beurteilung von Entwicklung, Stärke, Gesundheitszustand des Bienenvolkes und Durchführung sachgerechter Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen,
erfolgreiche Bekämpfung der Varroatose mit Hilfe eines in die Betriebsweise eingebundenen Plans,
sachgerechtes, nach den gesetzlichen Richtlinien Ernten, Schleudern, Pflegen und marktgerechtes Aufbereiten des Honigs,
Durchführung einer gezielten Jungvolkbildung,
Beurteilung und Schutz von Waben, Verarbeitung von Altwaben und Herstellung von Wachsblöcken,
ordnungsgemäßes Wandern eines Bienenvolkes,
sachgerechte Reinigung von Geräten und Einrichtungen,
Erkennen und Beachtung der notwendigen Maßnahmen zum Unfall- und Arbeitsschutz.

Adressen von Imker-Landesverbänden und Wissenschaftlichen Instituten, die weitere Informationen zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten geben können, finden sich auf der Website des Deutschen Imkerbundes.

Autorin: Antje Elfrich, Brühl

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